Die Stimme erheben
“Journalism is unreadable and literature is not read.” – So erklärt Oscar Wilde in ‘The Critic as Artist’ den Unterschied zwischen beidem. Aber was bleibt uns übrig? Wie sollen wir Unbegreiflichkeiten begreifen, ohne zu schreiben, ohne zu lesen?
Wer sagt uns die Wahrheit?
Blogs bisher: Leute, die nichts zu sagen haben, sind unfähig darüber zu schreiben. Frei nach Karl Kraus: “Man muss nicht nur keine Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.” Da habe ich mich geirrt.
Blogs heute: Menschen im Libanon berichten über tägliche Tragödien – ungefiltert, scheinbar unpolitisch. Sie geben den Tausend und Abertausend Menschen, die so unendliches Leid erleben müssen, ihre Stimme. Schreien ihren Hilferuf hinaus in die Welt! Aber sie wollen sich nicht ersticken lassen von der Angst, von der Furcht, vom Terror und vom Hass. Sie hoffen. Sie geben nicht auf zu hoffen. Sie glauben weiterhin an den Sieg der Vernunft und der Liebe.
So startet das Projekt Hoffnung. Denn all die Menschen auf dieser Welt, die sich trotz allem Unglück und Terror, ihr reines Herz bewahren, müssen uns Vorbild sein.
Blanke Angst – Grundlage dieses Optimismus? Ja, Mr. Wilde, dem stimme ich zu. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Stimme zu erheben und zu hoffen, dass sie gehört wird.
Diese Blogger geben dem Krieg ein neues Gesicht. Diesmal starrt uns seine verzerrte Fratze direkt in die Augen. Wir können nicht länger wegsehen. Wir können uns nicht länger davor verschließen, dass auch woanders auf der Welt, Menschen in den Supermarkt gehen, zum Tanken fahren, sich in Cafés treffen oder mit Freunden zum Tanzen gehen.
Wir tragen unsere eigene kulturelle Brille mit soviel Hochmut. Gerade wir, die Europäer, die Amerikaner, wir westlich zivilisierten, die doch die eigentlichen Verursacher all dieses Leids sind. Mayas, Indianer, Kongolesen, Jugoslawen, Araber – so viel Leid, so viele Tote. Und wir maßen uns an, zu entscheiden was richtig und was falsch ist?
Kategorie: Höhepunkt | Tag: Gesellschaft, international affairs, Journalismus, Literatur, Meinung, Politik, Redefreiheit

