Die Welt ist schön

Ledro

Als Kind hüpfte ich oft durch unsere Spielstrasse und sang aus voller Kinderbrust: “Die Welt ist schön, die Welt ist schön!” In den letzten Wochen wäre mir diese Zeile nicht über die Lippen gekommen.

So viel Leid. So viele tote Kinder. Warum sehen denn alle nur zu? Warum tut denn keiner was?

Ich sehe auch fort, weil ich es nicht ertrage, ohnmächtig zu sein. Gaffend stehe ich daneben und sehe tatenlos zu wie unschuldige ermordert werden und Kinder die Leichenteile ihrer Eltern aufsammeln. Was kann ich, ich allein denn tun, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen.

Heute morgen habe ich einen lächerlich kleinen Einblick in das Gefühlsleben eines Kriegsopfers nehmen können. Ich schäme mich fast, es zu berichten. Über München flog heute morgen ein Düsenflugzeug. Laut donnerte und grollte es mehrmals über den Himmel. Ich schlief noch, aber mein Herz begann auf einmal schneller zu schlagen. Ich musste an Zena die libanesische Künstlerin und alle anderen unschuldigen und verzweifelten Menschen denken, die seit über 30 Tagen und Nächten dieses laute Dröhnen ununterbrochen hören. Immer noch mit der ängstlichen Erwartung der nächsten Bombe, der nächsten Explosion, dem nächsten schreien eines Verwundeten.

Aber die Welt ist schön und jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Er muss nicht groß sein. Eine Geste schon, kann einem Menschen zeigen, dass man da ist. Ein paar Groschen können Hunger lindern. Wenn nur jeder bereit ist ein kleines Stück von sich aufzugeben, kann jeder die Welt ein Stückchen schöner machen.

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