Sommerloch
Da ist es wieder, liebe Freunde der seichten Unterhaltung: Das Sommerloch! Groß und rund, nicht besonders tief. Für mich die ideale Gelegenheit, mein Comeback zu planen.
Die Münchner Abendzeitung lockt heute mit einer Titelgeschichte über "lebensgefährliche Kopfhörer". Ein Junge ist von einem Zug überrollt worden, als er einen Bahnübergang betrat. Den fahrenden Zug hörte er nicht, die Musik dröhnte ihm zu laut im Trommelfell. Schuld sind: Die Kopfhörer. Ja, hat denn der Bub keine Augen im Kopf?
Bei dieser qualitativ hochwertigen Berichterstattung wundert sich meine Kollegin tatsächlich, dass ich es nicht über die Headline, selten den Vorspann hinausschaffe. Das ist kein Aufmerksamkeitsproblem der digital natives, Google, RSS und Twitter. Es liegt nicht an der Informationsflut, die sich in einem Leben gar nicht filtern lässt. Es liegt an dem Schrott der tagtäglich auch von seriösen Medien verbreitet wird. Sommerloch hin oder her. Selbst "Die Zeit" enttäuscht zunehmend. Ich bin kurz davor, meine letzten verlegerischen Bande zu lösen. Nur wie befriedige ich dann meine Neugier?
Kategorie: Höhepunkt, Journalie, Unfasslich | Tag: Abendzeitung, Comeback, Journalismus, Qualitätsjournalismus, Sommerloch
Google Insights: Pressefreiheit kontra Hakenkreuz
Die Blogosphäre konnte sich heute über eine Google-Ankündigung freuen. Der neue Service “Google Insights for Search” ist dem Trendscout nützliches Werkzeug bei der Themensuche. Nach welchen Themen wird am häufigsten bei Google gesucht? Für welche Länder könnte mein nächster Blogeintrag besonders interessant sein? Gibt es Winter- und Sommerthemen? All diese Fragen kann Insights beantworten.
Mein erster Versuch: Ich suchte mir zwei Stichwörter, um Sie miteinander zu vergleichen. Das erste Stichwort hat mit einem der meistgelesensten Artikel auf verschattet.de zu tun: München unterm Hakenkreuz. Den zweiten, Pressefreiheit, wählte ich aus gegebenem Anlass. …weiterlesen…
Kategorie: Journalie, Unfasslich | Tag: Blog, Google, Hakenkreuz, Insights for Search, Journalismus, Pressefreiheit
Die Stimme erheben
“Journalism is unreadable and literature is not read.” – So erklärt Oscar Wilde in ‘The Critic as Artist’ den Unterschied zwischen beidem. Aber was bleibt uns übrig? Wie sollen wir Unbegreiflichkeiten begreifen, ohne zu schreiben, ohne zu lesen?
Wer sagt uns die Wahrheit?
Blogs bisher: Leute, die nichts zu sagen haben, sind unfähig darüber zu schreiben. Frei nach Karl Kraus: “Man muss nicht nur keine Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.” Da habe ich mich geirrt.
Blogs heute: Menschen im Libanon berichten über tägliche Tragödien – ungefiltert, scheinbar unpolitisch. Sie geben den Tausend und Abertausend Menschen, die so unendliches Leid erleben müssen, ihre Stimme. Schreien ihren Hilferuf hinaus in die Welt! Aber sie wollen sich nicht ersticken lassen von der Angst, von der Furcht, vom Terror und vom Hass. Sie hoffen. Sie geben nicht auf zu hoffen. Sie glauben weiterhin an den Sieg der Vernunft und der Liebe.
So startet das Projekt Hoffnung. Denn all die Menschen auf dieser Welt, die sich trotz allem Unglück und Terror, ihr reines Herz bewahren, müssen uns Vorbild sein.
Blanke Angst – Grundlage dieses Optimismus? Ja, Mr. Wilde, dem stimme ich zu. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Stimme zu erheben und zu hoffen, dass sie gehört wird.
Diese Blogger geben dem Krieg ein neues Gesicht. Diesmal starrt uns seine verzerrte Fratze direkt in die Augen. Wir können nicht länger wegsehen. Wir können uns nicht länger davor verschließen, dass auch woanders auf der Welt, Menschen in den Supermarkt gehen, zum Tanken fahren, sich in Cafés treffen oder mit Freunden zum Tanzen gehen.
Wir tragen unsere eigene kulturelle Brille mit soviel Hochmut. Gerade wir, die Europäer, die Amerikaner, wir westlich zivilisierten, die doch die eigentlichen Verursacher all dieses Leids sind. Mayas, Indianer, Kongolesen, Jugoslawen, Araber – so viel Leid, so viele Tote. Und wir maßen uns an, zu entscheiden was richtig und was falsch ist?
Kategorie: Höhepunkt | Tag: Gesellschaft, international affairs, Journalismus, Literatur, Meinung, Politik, Redefreiheit

