Von Highlight zu Highlight
Der Nahost-Konflikt ist unlösbar. Zu alt sind die Wunden, zu verkrustet die Wahrnehmung der einzelnen Parteien. Zu geldgierig der Eine, zu machtbesessen ein Anderer. Individuelle Machtkämpfe verstecken sich unter dem Mantel der “Zivilisationskriege”. Die vermeintlichen Befreier, die Möchtegern Vorzeigedemokraten – was sind denn ihre wahren Motive? Der Weltfrieden, vielleicht? Eine Welt ohne Hunger? Eine Welt in der wir nicht unser Abendbrot essen, während wir gleichgültig Bilder von enthaupteten Säuglingen in den Nachrichten betrachten?
Gewalt sühnt Gewalt sühnt Gewalt.
Ich bewundere die Menschen im Libanon, im Gaza-Streifen, im Westjordanland und auch in Israel, die Widerstand leisten indem sie Gewalt und Hass widerstehen. Häuser zerbombt, Städte zerstört , Familien und Freunde schwer verletzt oder tot – alles verloren. Tag und Nacht Explosionen, Nachrichten über Massaker, Vorräte, die zur Neige gehen. Das ständige Surren der Dronen. Ich würd nur noch Hass spüren. Hass auf die Leute, die mir das antun, die mich nicht kennen, denen ich nichts getan habe.
Der kleine Hassan, vier Jahre alt, der den Angriff auf Qana überlebt und eine Nacht in einer Leichenhalle verbrachte. Wird er in 10 Jahren selbst zu einer Waffe greifen, um die grausamen Bilder in seinem Kopf zu rächen?
Ich verstehe, dass es nicht schwierig ist, gequälte Menschen zum Äußersten zu treiben – sie blind und wutentbrannt in ihr Verderben zu laufen. Eskalationsroutinen, Provokationspläne. Am Ende der lachende Dritte, der von allem Unglück am meisten profitiert. Worum geht es denn eigentlich? Während die Kleinen auf beiden Seiten für Land, Freiheit und Existenz kämpfen, freuen sich die Großen auf Öl und Ressourcen, strategische Allianzen, es ist so durchschaubar. Dabei muss man sich nur die Mühe machen, Zusammenhänge auch zu erkennen. Die Verblendungen, die Vertuschungen, es lässt sich alles in Geschichtsbüchern nachlesen. Irgendwann kommt die Wahrheit immer heraus.
Wenn nur jeder Mensch einen Weg fände, die dunklen Schatten zu vertreiben, jeder ein kleines bisschen Liebe in sich findet, hätten wir eine Chance Provokationen zu ignorieren. Wir würden uns nicht aufeinander hetzen lassen. Wir würden durchschauen.
So in etwa wollen wir die Idee vom Highlights des Tages globalisieren. Denn egal wie furchtbar und niederschmetternd ein Tag im ersten Moment war, ein einziger schöner Moment muss sich immer finden. So winzig und unbedeutend er auch sein mag. Er hat die Kraft Verbitterung, Wut, Enttäuschung zu lindern. Das freundliche Lächeln eines Fremden, das Lachen eines Kindes im Park, das Leuchten der Blätter im Abendrot, die Erinnerung, die Hoffnung. Nur ein kurzer Lichtblick hat die Macht, Dämonen zu verscheuchen. So können wir überstehen, von Tag zu Tag, von Highlight zu Highlight. Man muss sich zwingen, dem Hass zu widerstehen.
Kategorie: Höhepunkt | Tag: August 2006, Gaza-Streifen, Gesellschaft, international affairs, Krieg, Libanon, Nahost-Konflikt, Politik

