Walvis Bay, Atlantikküste, der kalte Bengualastrom sorgt für raues Klima. Aber wir lernen, wenn der Wind kalt und nass von Nordwesten bläst, wird es ein sonniger Tag. Wir frieren bitterlich an Deck des Katamarans. Pelican Point, Leuchtturm, Pelikane, Robben, Touristen.
Nach der erholsamen Einsamkeit der Namib-Wüste fremdeln wir in der Zivilisation. Beim Abendessen in der Beach Lodge dröhnte Besteckgeklapper und Abba laut in unsere Ohren. Wie scheue Rehe erschrecken wir bei jedem uns aus der Großstadt sonst so gewohnten Zivillärm. Kulturschock.
An Bord unerträglich viele, laute, nervraubende Touristen. Ich verkrieche mich mit meiner Kamera beim Skipper. Oben an Deck ist es zwar schweinekalt, aber friedlich.
(Namibia, 30. Oktober 2009)
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Februar 5, 2010 |
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Den Zeitpunkt des Wake-Up-Call für unseren Ausflug ins Sossusvlei zu den höchsten Dünen der Welt, halten wir für einen namibianischen Scherz. Leider nein. Scherz daran war, dass man uns erst nach dem zweiten Glas Wein gestand, Frühstück werde um 4.30 (!) Uhr serviert. Wir versuchen es mit hochhandeln, doch nach einer ausführlichen Einweisungen in die Dünenlandschaft ist der Plan klar. Wecken um 5.15 Uhr, schnelles Frühstück und “Don’t waste too much time along the way.” Die abgelatschte Düne 45 sollen wir uns sparen und zusehen, dass wir hinter ins Vlei kommen zu den über 300 Meter hohen “Big Mama” und Big Daddy”.
Wir beflogen den Rat, rasen nach Sesriem, erwerben Permit für uns und das Auto und brettern Richtung 2×4-Parkplatz. Ich widerstehe der Versuchung, das morgendliche Schattenspiel der roten Dünen fotografieren zu müssen. Don’t waste time! Also schaffen wir Langschläfer es bis kurz nach 8 Uhr am Parkplatz zu sein. Weiter geht es mit einem 4×4-Shuttle.
Ein kurzer Blick auf die Big Mama, unser Entschluss steht fest: Wir wollen Big Daddy besteigen und durch das Dead Vlei. Beim Anblick der gigantischen Sandberger beschließt eine britische Reisegruppe lieber gleich im Wagen zu bleiben. Wir ziehen unsere Tropenhüte tief ins Gesicht und stapfen todesmutig los.
Wir planen unsere Route sorgfältig, denn bis zum Gipfel liegt eine zweistündige Dünenwanderung vor uns. Um dem Geschnatter der Touristen zu entkommen kürzen wir etwas ab und keuchen seitlich einen kleinen Ausläufer hoch und stehen auf dem ersten Kamm. Überraschenderweise ist es hier gar nicht so heiß, ein lauer Wind erfrischt uns, der Ausblick ist wunderschön. Diese Stille, die Farben, die weichen Linien des Sandgebirges. Atemberaubend. Stufe für Stufe beginnen wir den Aufstieg. Die Erschütterung unserer Schritte schreckt immer wieder kleine blaue Käfer aus ihren sandigen Behausungen und wütend davon stürmen. Neidisch blicken den kleinen Geckos hinterher, die mit ihren flinken Füßen über den Sand flitzen. Unsere Bergwanderung ist anstrengender als erwartet…
(Namibia, 29. Oktober 2009)
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Januar 29, 2010 |
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Eine kleine Abweichung von der Chronologie: Unsere Abenteuer und Erlebnisse in den höchsten Dünen der Welt, verlangen meine volle Aufmerksamkeit, daher zum Wochenende erst etwas für die Seele.
Nach einem aufregenden Tag im Soussusvlei (Bilder folgen), kehren wir heim in die Hoodia Desert Lodge. Ein gemütlicher, erholsamer Nachmittag liegt vor uns. Ausspannen am Pool, Kaffee auf der Terrasse und erste Notizen im Reisetagebuch, als uns Konin mit der Nachricht überrascht, für den Sundowner sei alles vorbereitet. Wir glauben uns im Paradies, und es ist erst unser dritter Tag in Afrika.
David lädt uns auf seinen Pick-Up und fährt uns zum gegenüberliegenden Hügel. Hier steht bereits ein Tisch mit Windlicht; hübsch gedeckt. Wir fühlen uns dekadent: Gin Tonic, Campari Soda und das horizontöffnendste, abgefahrenste, unglaublichste, flabbergasting-mindbogglingste Naturschauspiel findet vor unseren Augen, um uns herum und in uns drin statt. Ruhig und friedlich, die tiefstehende Abendsonne taucht die Steppe und die Naukluft-Berge in warmes Rot.
Worte?
Sprachlos.
Hin und wieder hören wir den Wind kommen, dann ist es wieder still, selten bellen die Geckos.
Nie wieder wollen wir diesen Ort verlassen, unser Entschluss steht fest, in Hoodia wollen wir für immer sein.
(Namibia, 28. Oktober 2009)
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Januar 15, 2010 |
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Nirgends schweift der Blick so ungestört in die Weite. Steigt man aus dem Auto ist es zunächst mucksmäuschenstill. Irgendwann höre ich ein fernes Grollen, das näher zu kommen scheint. Es klingt wie ein Auto, ich blicke nach links, ich blicke nach rechts, aber weit und breit kein Auto. Auch keine verräterische Staubwolke. Bis mir plötzlich ein Windhauch übers Gesicht bläst und mich in der Totenstille allein zurück lässt. In diesem Land hört man den Wind kommen.
(Namibia, 27. Oktober 2009)
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Das Ziel unserer ersten Etappe, die Hoodia Desert Lodge, ist nun nicht mehr weit. Vorbei geht es an den schroffen Ausläufern des Naukluft-Gebirges – immer wieder müssen wir anhalten und Szenerie einatmen.
Erste Bekanntschaft machen wir auch mit den wellblechigen Schotterstraßen. Fahrgefühl: Aqua Planing, Blitzeis und Schneeverwehung mit abgefahrenen Sommerreifen.
(Namibia, 27. Oktober 2009)
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Januar 11, 2010 |
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Percys unwiderstehlicher Apfelkuchen hat uns noch ein zweites Mal nach Solitaire geführt.
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Von der Rast in Solitaire haben wir uns nicht zu viel versprochen. Gegenüber der Tankstelle liegt eine kleine, liebevoll eingerichtete und verlockend duftende Bäckerei. Wir stärken uns mit Percys Apfelkuchen und Kaffee. Neidisch werden wir dabei von frechen Finken und Spatzen beobachtet. Ich habe bereits beschlossen, mich hier niederzulassen. Unendliche, friedliche Weite und Apfelkuchen, was brauch ich denn mehr?
(Namibia, 27. Oktober 2009)
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Januar 8, 2010 |
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Photographischer Höhepunkt des Tages, den mir Klabusterbeere eben bescherte.
Danke dafür:

(via)
Für die wenigen Tage des G8-Gipfels erinnerten wir uns für einen kurzen Moment daran, dass Afrika in Chaos und Terror versinkt. Die mächtigsten Politiker der reichsten Länder Welt lächelten in die Kameras, schüttelten sich die Hände und sagten eine finanzielle Hilfe von 45 Milliarden Euro bis 2015 zu. Musiker musizierten, Grönemeyer gröhlte, um dem Anliegen Afrikas Gehör zu verschaffen. Und jetzt?
Der Spiegel widmete der Kolonialgeschichte Afrikas ein Sonderheft. Was deutsche Politiker über die Verbrechen deutscher Kolonisten an den Herero denken, ist erschütternd:
“Hatte Bundeskanzler Helmut Kohl bei seinem Besuch in Namibia 1995 ein treffen mit Herero-Vertretern noch lakonisch abgelehnt, so räumte drei Jahre später Bundespräsident Roman Herzog in Windhuk ein, dass das Verhalten der Deutschen “nicht in Ordnung” gewesen sei. Im Oktober 2003 folgte der grüne Außenminister Joschka Fischer auf einer Pressekonferenz in Windhuk die Frage, warum sich Deutschland denn für die in der Kolonialzeit begangenen Verbrechen nicht entschuldige, ebenso arrogant wie bürokratisch beiseite: “Ich kann keine Äußerung vornehmen, die entschädigungsrelevant wäre.” (Spiegel Special)
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