Kant an 9/11
Immanuel Kant, “Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“: 1795. Aus dem ersten Abschnitt, welcher die Präliminarartikel zum ewigen Frieden unter Staaten enthält:
»Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewalttätig einmischen.«
Denn was kann ihn dazu berechtigen? Etwa das Skandal, was er den Untertanen eines andern Staats gibt? Es kann dieser vielmehr, durch das Beispiel der großen Übel, die sich ein Volk durch seine Gesetzlosigkeit zugezogen hat, zur Warnung dienen; und überhaupt ist das böse Beispiel, was eine freie Person der andern gibt, (als scandalum acceptum) keine Läsion derselben. — Dahin würde zwar nicht zu ziehen sein, wenn ein Staat sich durch innere Veruneinigung in zwei Teile spaltete, deren jeder für sich einen besondern Staat vorstellt, der auf das Ganze Anspruch macht; wo einem derselben Beistand zu leisten einem äußern Staat nicht für Einmischung in die Verfassung des andern (denn es ist alsdann Anarchie) angerechnet werden könnte. So lange aber dieser innere Streit noch nicht entschieden ist, würde diese Einmischung äußerer Mächte Verletzung der Rechte eines nur mit seiner innern Krankheit ringenden, von keinem andern abhängigen Volks, selbst also ein gegebenes Skandal sein, und die Autonomie aller Staaten unsicher machen.
Kategorie: Worte | Tag: 9/11, ewiger Frieden, Immanuel Kant, Menschenrechte, Philosophie, Weltenbürger
Blitz-Nick-Salaam
In letzter Zeit begegnen mir immer häufiger medizinische Begriffe, die mir so absurd und albern erscheinen, dass ich vor lauter Lachen nicht mehr einfühlsam betrübt sein könnte, falls einen Bekannten derartiges Schicksal ereilte. Es ist nicht ungewöhnlich, eher menschlich, wenn man mit Begriffen wie emmetropen presbyoperen Myopern nichts anfangen kann.
Jetzt also das Blitz-Nick-Salaam-Syndrom?!?!?!? Krude Erklärungen und Namensgebungen erwarte ich und bin mehr als irritiert, eine Onomatopoeie vorzufinden.
Blitz – Nick – Salaam (eigentlich West-Syndrom) rühmt keine amerikanisch-arabische-Forschergemeinschaft, sondern meint – viel einfacher – einen epileptischen Anfall, der einem blitzartig durch den Körper zuckt, den Nackenmuskel zum Nicken zwingt und einen schlussendlich in einer arabischen Verbeugung entlässt. …weiterlesen…
Kategorie: Worte | Tag: blitz, bns, epilepsie, Medizin, nick, pschyrembel, salaam, west-syndrom
Unterwegs in Lübeck
So gehört in Lübeck:
Gehen Sie direkt durchs Fegefeuer, rechts um den Kirchplatz herum und schon sind Sie im Paradies…
Dabei suchte der leicht irritierte Tourist doch nur den kürzesten Weg zum Holstentor.
Leider, leider heißt “Paradies” heute nur noch “Parade”. Was sagen die Germanisten unter uns dazu? Lautverschiebung oder Verballhornung? Wahrscheinlich Faulheit. Die Parkplatzsituation im Fegefeuer jedenfalls ist die Hölle. Es wird empfohlen auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen.
Kategorie: Höhepunkt, Worte | Tag: öffentliche Verkehrsmittel, Domplatz, Fegefeuer, Holstentor, Lübeck, Paradies, Parkplatz, Wegbeschreibung
Lernen fürs Hammerexamen
Ärzte haben es auch nicht leicht…
Frage: Kann ein presbyoper Myoper emmetrop sein?
Antwort: Nein, nie!
Alles klar? Klar!
Und ein Lieblingssyndrom habe ich neuerdings auch. Wo ich sogar schon “Musculus sterno cleido masdoideus” sagen kann, ohne mit der Zunge über meine Schneidezähne zu stolpern. Wenn schon krank, dann doch ein Leiden, das klingt wie ne skandinavische Rockband: Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom aka MRKHS.
Viel Spaß beim googlen…
Kategorie: Höhepunkt, Unfasslich, Worte | Tag: emmetrop, Hammerexamen, Küster-Hauser, Medizin, Myopie, Physikum, Presbyopie, Rokitansky, Staatsexamen
Das Wort zum Alltag
Apropos Hölle…
Letzte Woche war ich endlich mal in der Marienkirche in Lübeck. Leider habe ich kein Foto von dem Schild machen können, dass einen gleich im Hauptschiff abfing:
Das Wort zum Alltag
Jeden Tag um die Mittagszeit
Außer Sonntags
Dass die Kirche doch noch Sinn für Humor hat.
Kategorie: Foto, Höhepunkt, Worte | Tag: Lübeck, Marienkirche, Wort zum Alltag, Wort zum Sonntag

