Kant an 9/11
Immanuel Kant, “Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“: 1795. Aus dem ersten Abschnitt, welcher die Präliminarartikel zum ewigen Frieden unter Staaten enthält:
»Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewalttätig einmischen.«
Denn was kann ihn dazu berechtigen? Etwa das Skandal, was er den Untertanen eines andern Staats gibt? Es kann dieser vielmehr, durch das Beispiel der großen Übel, die sich ein Volk durch seine Gesetzlosigkeit zugezogen hat, zur Warnung dienen; und überhaupt ist das böse Beispiel, was eine freie Person der andern gibt, (als scandalum acceptum) keine Läsion derselben. — Dahin würde zwar nicht zu ziehen sein, wenn ein Staat sich durch innere Veruneinigung in zwei Teile spaltete, deren jeder für sich einen besondern Staat vorstellt, der auf das Ganze Anspruch macht; wo einem derselben Beistand zu leisten einem äußern Staat nicht für Einmischung in die Verfassung des andern (denn es ist alsdann Anarchie) angerechnet werden könnte. So lange aber dieser innere Streit noch nicht entschieden ist, würde diese Einmischung äußerer Mächte Verletzung der Rechte eines nur mit seiner innern Krankheit ringenden, von keinem andern abhängigen Volks, selbst also ein gegebenes Skandal sein, und die Autonomie aller Staaten unsicher machen.
Kategorie: Worte | Tag: 9/11, ewiger Frieden, Immanuel Kant, Menschenrechte, Philosophie, Weltenbürger
Meinungen
3 Meinungen zu “Kant an 9/11”
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Da möchte ich Carl Von Clausewitz antworten lassen: “Gehört der Krieg der Politik an, so wird er ihren Charakter annehmen. Sobald sie großartiger und mächtiger wird, so wird es auch der Krieg, und das kann bis zu der Höhe steigen, wo der Krieg zu seiner absoluten Gestalt gelangt.”
Ich denke, wenn die Politik einen Staat zu einem Unrechtsstaat umbaut, aus dem sich ein Volk nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann und in dem friedliche Bemühungen externer Staaten keine Veränderungen herbeiführen können, muss als letztes politisches Mittel auch der Krieg erlaubt sein.
Die Frage ist deshalb nicht, ob Krieg an sich letztendlich als politisches Mittel legitim ist, sondern vielmehr, welche Maßstäbe anzulegen sind, um Krieg zu legitimieren.
Ist ein Staat nicht per definitionem etwas, was durch Kriege entsteht?
nein.