Spickzettel für den Einbürgerungstest
Wer ab heute die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen will, darf erstmal die Schulbank drücken. Und zwar im Einbürgerungskurs zur Vorbereitung auf das Diplom: Germanikus cum laude. 33 Fragen trennen den Aspiranten von Malle-Urlaub, Gartenzwerg und Reihenhaus-Idyll.
Sinn und Zweck:
Mit dem bundeseinheitlichen Einbürgerungstest sollen „Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland“ nachgewiesen werden.
Den Fragenkatalog zum Einbürgerungstest kann man sich auf den Webseiten des Bundesministeriums des Inneren herunterladen. Praktisch, da kann sich der Deutsche in spe gleich einen Spickzettel schreiben.
Dafür, dass man schon acht Jahre in Deutschland gelebt haben muss, um den Test zu absolvieren, sind ganz schöne Depperl-Fragen dabei. Die Leute sind nicht doof, sie kommen nur aus einem anderen Land. Für meinen Geschmack schillert hier zu viel kulturell-anmaßende Überlegenheit durch.
Was mir Sorgen macht: Einige Fragen bereiten auch mir als Einheimische gehöriges Kopfzerbrechen. Und dass trotz umfassendem und bestandenen Heimat- und Sachkunde-Unterrichts. Werde ich den Lappen wohl wieder abgeben müssen.
Na, für Beckstein Bayern wären zumindest die Bundesländer spezifischen Fragen eine schöne Gelegenheit, gleich auch die ganzen Preißn des Landes zu verweisen.
Mein Vorschlag wäre, noch eine weitere Lösungsmöglichkeit hinzuzufügen:
e) blau-weiß
Wer hier das Kreuzchen macht, landet rubbeldiekatz auf der nächsten Fähre über den Main.
Kategorie: Unfasslich | Tag: bmi, bundesministerium, deutsche staatsbürgerschaft, einbürgerungskurs, einbürgerungstest, innenministerium, Politik
Meinungen
7 Meinungen zu “Spickzettel für den Einbürgerungstest”
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Es kann aber auch schnell zu Konflikten zwischen Bayern und dem Bund kommen.
Hier die Frage 17 aus den “Gesamtdeutschen” Fragenkatalog
17. Die deutschen Gesetze verbieten …
a) Meinungsfreiheit der Einwohner und Einwohnerinnen.
b) Petitionen der Bürger und Bürgerinnen.
c) Versammlungsfreiheit der Einwohner und Einwohnerinnen.
d) Ungleichbehandlung der Bürger und Bürgerinnen durch den Staat.
Was soll jetzt der arme Einbürgerungswillige in Bayern ankreuzen??? Nach dem ja das neue Versammlungsgesetzt in Bayern schon greift müsste er ja beinahe schon c) ankreuzen. Tut er es (wenn auch nur aus Spass) ist er dann:
a) witzig
b) realist
c) terrorist
d) bayrischer Innenminister
Der Heraldiker in mir will ja jetzt schreien: Silber-blau! Weiß gibts ja nicht in der Wappenkunde.
Sonst gäbe es ja auch Schwarz-Rot-Gelb.
Aber genug der Besserwisserei:
Wer von Euch die ersten fünf Artikel des Grundgesetzes zitieren kann, der werfe die erste Abschiebeverfügung.
Hübsch, die ZEIT hat eine schöne Auswahl getroffen. Puh, ich denke, ich habe bestanden:
http://www.zeit.de/online/2008/28/bg-einbuergerungstest?1
…mh, weiss gar nicht, ob es wirklich was mit kulturell-anmassender Ueberlegenheit zu tun hat. Ich lerne hier in Dubai auch immer neu dazu. Gestern: Ramadan Kareem (- Happy Fasting! Und wehe Du wirst mit einem Kaugummi oder einer Wasserflasche auf der Strasse erwischt! Das ist nicht lustig, sondern erst!) und eine meiner ersten Unterhaltungen mit einem Araber (ein bekennender Deutschland-Fan – ich frag lieber nicht weiter nach) bezog sich auch auf die ersten Fragen, die er zu unserer Kultur hatte als er die ersten Male in Deutschland war: er hatte nicht verstanden, warum alle gleich behandelt werden sollen (er machte sich ordentlich Sorgen um den armen Koenig, der mit einem Arbeiter gleichzustellen ist) und das man keinen Sex mit Frauen im Alter von 16 haben darf.
Der Einbürgerungstest ist der richtige Weg. Zusätzlich ist meiner Meinung nach auch ein Sprachtest nötig. Wer in ein anderes Land einbürgern will, soll das tun, weil er sich mit der Kultur und Tradition eines anderes Landes identifiziert.
Für mich ist die Streitfrage eher, ob hier Integration wohl eher als Einbahnstraße gesehen wird. “Passt Euch mal schon an, dann kann nichts mehr schiefgehen” – so kann es meiner Meinung nach nicht funktionieren.
Integration muss auch in deutschen Köpfen passieren. Wer sich nicht willkommen fühlt und für seine Andersartigkeit diskriminiert wird, wird bald den Anpassungswillen verlieren.
Ich nenne nur als kleines Beispiel: Wer mit einem Anfänger der deutschen Sprache zu tun hat, schreit gern und zwar in Babysprache: “DU PUTZEN! OK?” Menschen aus anderen Kulturen sind nicht taub und schon gar nicht dämlich.
Schade, dass sich hier viele Menschen die Chance verbauen, durch den Einfluß einer fremden Kultur, ihr eigenes Leben zu bereichern.
Hier ist eine preisgekrönte Kurzfilm-Satire über Einbürgerungstest