Love’s Labour’s Lost
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Die Welt ist schön

Als Kind hüpfte ich oft durch unsere Spielstrasse und sang aus voller Kinderbrust: “Die Welt ist schön, die Welt ist schön!” In den letzten Wochen wäre mir diese Zeile nicht über die Lippen gekommen.
So viel Leid. So viele tote Kinder. Warum sehen denn alle nur zu? Warum tut denn keiner was?
Ich sehe auch fort, weil ich es nicht ertrage, ohnmächtig zu sein. Gaffend stehe ich daneben und sehe tatenlos zu wie unschuldige ermordert werden und Kinder die Leichenteile ihrer Eltern aufsammeln. Was kann ich, ich allein denn tun, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen.
Heute morgen habe ich einen lächerlich kleinen Einblick in das Gefühlsleben eines Kriegsopfers nehmen können. Ich schäme mich fast, es zu berichten. Über München flog heute morgen ein Düsenflugzeug. Laut donnerte und grollte es mehrmals über den Himmel. Ich schlief noch, aber mein Herz begann auf einmal schneller zu schlagen. Ich musste an Zena die libanesische Künstlerin und alle anderen unschuldigen und verzweifelten Menschen denken, die seit über 30 Tagen und Nächten dieses laute Dröhnen ununterbrochen hören. Immer noch mit der ängstlichen Erwartung der nächsten Bombe, der nächsten Explosion, dem nächsten schreien eines Verwundeten.
Aber die Welt ist schön und jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Er muss nicht groß sein. Eine Geste schon, kann einem Menschen zeigen, dass man da ist. Ein paar Groschen können Hunger lindern. Wenn nur jeder bereit ist ein kleines Stück von sich aufzugeben, kann jeder die Welt ein Stückchen schöner machen.
Von Highlight zu Highlight
Der Nahost-Konflikt ist unlösbar. Zu alt sind die Wunden, zu verkrustet die Wahrnehmung der einzelnen Parteien. Zu geldgierig der Eine, zu machtbesessen ein Anderer. Individuelle Machtkämpfe verstecken sich unter dem Mantel der “Zivilisationskriege”. Die vermeintlichen Befreier, die Möchtegern Vorzeigedemokraten – was sind denn ihre wahren Motive? Der Weltfrieden, vielleicht? Eine Welt ohne Hunger? Eine Welt in der wir nicht unser Abendbrot essen, während wir gleichgültig Bilder von enthaupteten Säuglingen in den Nachrichten betrachten?
Gewalt sühnt Gewalt sühnt Gewalt.
Ich bewundere die Menschen im Libanon, im Gaza-Streifen, im Westjordanland und auch in Israel, die Widerstand leisten indem sie Gewalt und Hass widerstehen. Häuser zerbombt, Städte zerstört , Familien und Freunde schwer verletzt oder tot – alles verloren. Tag und Nacht Explosionen, Nachrichten über Massaker, Vorräte, die zur Neige gehen. Das ständige Surren der Dronen. Ich würd nur noch Hass spüren. Hass auf die Leute, die mir das antun, die mich nicht kennen, denen ich nichts getan habe.
Der kleine Hassan, vier Jahre alt, der den Angriff auf Qana überlebt und eine Nacht in einer Leichenhalle verbrachte. Wird er in 10 Jahren selbst zu einer Waffe greifen, um die grausamen Bilder in seinem Kopf zu rächen?
Ich verstehe, dass es nicht schwierig ist, gequälte Menschen zum Äußersten zu treiben – sie blind und wutentbrannt in ihr Verderben zu laufen. Eskalationsroutinen, Provokationspläne. Am Ende der lachende Dritte, der von allem Unglück am meisten profitiert. Worum geht es denn eigentlich? Während die Kleinen auf beiden Seiten für Land, Freiheit und Existenz kämpfen, freuen sich die Großen auf Öl und Ressourcen, strategische Allianzen, es ist so durchschaubar. Dabei muss man sich nur die Mühe machen, Zusammenhänge auch zu erkennen. Die Verblendungen, die Vertuschungen, es lässt sich alles in Geschichtsbüchern nachlesen. Irgendwann kommt die Wahrheit immer heraus.
Wenn nur jeder Mensch einen Weg fände, die dunklen Schatten zu vertreiben, jeder ein kleines bisschen Liebe in sich findet, hätten wir eine Chance Provokationen zu ignorieren. Wir würden uns nicht aufeinander hetzen lassen. Wir würden durchschauen.
So in etwa wollen wir die Idee vom Highlights des Tages globalisieren. Denn egal wie furchtbar und niederschmetternd ein Tag im ersten Moment war, ein einziger schöner Moment muss sich immer finden. So winzig und unbedeutend er auch sein mag. Er hat die Kraft Verbitterung, Wut, Enttäuschung zu lindern. Das freundliche Lächeln eines Fremden, das Lachen eines Kindes im Park, das Leuchten der Blätter im Abendrot, die Erinnerung, die Hoffnung. Nur ein kurzer Lichtblick hat die Macht, Dämonen zu verscheuchen. So können wir überstehen, von Tag zu Tag, von Highlight zu Highlight. Man muss sich zwingen, dem Hass zu widerstehen.
Kategorie: Höhepunkt | Tag: August 2006, Gaza-Streifen, Gesellschaft, international affairs, Krieg, Libanon, Nahost-Konflikt, Politik
Die Stimme erheben
“Journalism is unreadable and literature is not read.” – So erklärt Oscar Wilde in ‘The Critic as Artist’ den Unterschied zwischen beidem. Aber was bleibt uns übrig? Wie sollen wir Unbegreiflichkeiten begreifen, ohne zu schreiben, ohne zu lesen?
Wer sagt uns die Wahrheit?
Blogs bisher: Leute, die nichts zu sagen haben, sind unfähig darüber zu schreiben. Frei nach Karl Kraus: “Man muss nicht nur keine Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.” Da habe ich mich geirrt.
Blogs heute: Menschen im Libanon berichten über tägliche Tragödien – ungefiltert, scheinbar unpolitisch. Sie geben den Tausend und Abertausend Menschen, die so unendliches Leid erleben müssen, ihre Stimme. Schreien ihren Hilferuf hinaus in die Welt! Aber sie wollen sich nicht ersticken lassen von der Angst, von der Furcht, vom Terror und vom Hass. Sie hoffen. Sie geben nicht auf zu hoffen. Sie glauben weiterhin an den Sieg der Vernunft und der Liebe.
So startet das Projekt Hoffnung. Denn all die Menschen auf dieser Welt, die sich trotz allem Unglück und Terror, ihr reines Herz bewahren, müssen uns Vorbild sein.
Blanke Angst – Grundlage dieses Optimismus? Ja, Mr. Wilde, dem stimme ich zu. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Stimme zu erheben und zu hoffen, dass sie gehört wird.
Diese Blogger geben dem Krieg ein neues Gesicht. Diesmal starrt uns seine verzerrte Fratze direkt in die Augen. Wir können nicht länger wegsehen. Wir können uns nicht länger davor verschließen, dass auch woanders auf der Welt, Menschen in den Supermarkt gehen, zum Tanken fahren, sich in Cafés treffen oder mit Freunden zum Tanzen gehen.
Wir tragen unsere eigene kulturelle Brille mit soviel Hochmut. Gerade wir, die Europäer, die Amerikaner, wir westlich zivilisierten, die doch die eigentlichen Verursacher all dieses Leids sind. Mayas, Indianer, Kongolesen, Jugoslawen, Araber – so viel Leid, so viele Tote. Und wir maßen uns an, zu entscheiden was richtig und was falsch ist?
Kategorie: Höhepunkt | Tag: Gesellschaft, international affairs, Journalismus, Literatur, Meinung, Politik, Redefreiheit

